Wer wir sind

Die Bielefelder Tafel wurde am 22. Oktober 1996 als 57. Tafel in Deutschland gegründet !

Die 1. Tafel Deutschlands wurde bereits 1993 in Berlin gegründet. 

Wussten Sie, dass auch in Bielefeld ca. 8 - 10 % aller Lebensmittel weggeworfen werden ?

Hier setzt die Arbeit der Bielefelder Tafel e. V. als gemeinnütziger Verein an. Wir sammeln an 6 Tagen der Woche Lebensmittel bei Bäckereien, Supermärkten und Feinkostherstellern und verteilen sie an bedürftige Bürger und Einrichtungen.

Es sind Lebensmittel, die der Konsumentennachfrage nicht entsprechen bzw. Ende des Tages in den Märkten nicht verkauft werden konnten.

Zum Beispiel:

  • das Brot von gestern
  • der Salat von gestern, der nicht mehr so knackig aussieht
  • Bananen, die reif sind
  • Konservendosen ohne Etikett
  • leicht beschädigte Pakete, deren Inhalt aber noch einwandfrei ist

 

Tafelarbeit in der Praxis: Zahlen und Fakten für 2019:

Von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird die Bedeutung der Arbeit der mehr als 60.000 Ehrenamtlichen bei den Tafeln, Und welche Mengen an Lebensmitteln durch sie gerettet werden können. Die Zahlen sprechen eindeutig für die Arbeit der lokalen Tafeln:

Von 2018 auf 2019 ist die Zahl der Tafel-Kundinnen und -kunden von 1,5 Millionen Menschen auf 1,65 Millionen Menschen gestiegen. Die zahlreichen Tafel-Aktiven schenken den fast 1000 Tafeln in Deutschland pro Jahr 20,4 Millionen Stunden ihrer privaten Zeit. Mehr als 265.000 t sind über die Tafeln an Bedürftige abgegeben worden. Es handelt sich hier um Lebensmittel aus allen Bereichen, die ansonsten entsorgt worden wären. Das sind jeden Tag rechnerisch 723 t zuvor aufwendig produzierte Lebensmittel, die auf diese Weise durch die Tafeln gerettet werden konnten. Ein wirklich sinnvoller Beitrag zur Reduzierung der allgemeinen Lebensmittelverschwendung in Deutschland.

Für das Jahr 2020 folgen die Zahlen noch. Ein deutlicher Anstieg der Nutzer-Zahlen ist aber zu erwarten. Genau wie bei uns in Bielefeld steigen die Zahlen der Bedürftigen woanders auch an. Vor allem in größen Städten sind die meisten Menschen zu finden, die zur Tafel gehen.

Der ganze Bericht ist hier zum Download verfügbar. Sehr informativ!

Nachtrag 15.12.20:

Es kommen immer mehr Menschen zur Tafel, denen man ihre Notlage auf den ersten Blick nicht ansieht. Und die Zahl der Kinder und älteren Menschen steigt deutlich an.


 

12.12.2020: Ein offenes Wort zur Vergangenheit der Tafel:

Die Bielefelder Tafel als gemeinnütziger Verein hat eine recht wechselhafte Geschichte hinter sich. Der Verein ist nicht immer mit positiven Schlagzeilen in der Öffentlichkeit aufgetreten, sondern eher mit vielen "Bad News". Wer bei Google nach uns als Bielefelder Tafel sucht, der findet auch heute noch viele Berichte der örtlichen Tagespresse (NW) von damals.

Die eine oder andere "verbale Schlammschlacht" der ehemaligen Tafelleitungen/Vorstände über die NW hat dazu geführt, dass das Tafelleben in Bielefeld und die Aufrechterhaltung der gemeinnützigen Einrichtung insgesamt beinahe ein Ende gefunden hätte. 2012 war ein echtes Chaosjahr für die Tafel. Jahrelang hat das Image unter dieser Berichterstattung deutlich gelitten, was sich direkt auf die Spendenbereitschaft von Industrie/Handel und Privatpersonen ausgewirkt hat.

Seit über 8 Jahren macht die Tafel mit seinen Ausgabestellen einen guten Job, ohne großartig in den Medien aufzutreten. Trotzdem sind die Folgen der damaligen Ereignisse immer noch deutlich spürbar. Bestimmte Sponsoren/Spender in Ostwestfalen haben sich auf Dauer verabschiedet und sind auch nicht mehr zu Kooperationen bereit. Als neuer Vorstand der Tafel im Jahr 2020 kann man sich da nur bei manchen Vorgängern bedanken, die das Ganze nämlich auf so eine Art und Weise gründlich verbockt haben. Da ging es nämlich wohl irgendwie nicht mehr um das Thema "Menschen helfen" sondern anscheinend vielmehr um die eigene Persönlichkeit. An dieser Stelle wird auch nicht für oder gegen bestimmte Personen Partei ergriffen. Tatsache ist aber, an den Negativfolgen knabbert die Bielefelder Tafel auch noch mehr als 10 Jahre später immer noch.

In den vergangenen Jahren hat der letzte Vorstand ein Kontrollsystem aufgebaut, was wir als neuer Tafel-Vorstand ab 2020 weiter deutlich verfeinert haben. Interne Transparenz gehört ebenso dazu, wie ein 4-Augen-Prinzip bei wichtigen Entscheidungen, konkrete Absprachen im Vorstand und vor allem Transparenz beim Thema Finanzen. Bekanntlich hört beim Thema Geld ja die Freundschaft auf. Noch so einen Skandal mit Negativpresse braucht unsere gemeinnützige Einrichtung jedenfalls nicht!

Die Tafel in Bielefeld ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen, die damit verbundenen Arbeiten, Auflagen und natürlich finanziellen Aufwändungen auch. Der Finanzbedarf wird jedes Jahr höher, weil auch die rechtlichen Anforderungen steigen. Vor dem Gesetzgeber sind alle Tafeln in Deutschland praktisch "Lebensmittelunternehmen", die somit zahlreiche rechtliche Auflagen zu erfüllen haben. Warum? Weil wir gesammelte Lebensmittel "erneut in Verkehr bringen" bzw. gespendete Großgebinde "neu verpacken/umverpacken und ausgeben". Viele Bürger wissen das nicht.

Hinzu kommt noch das Thema Abfallentsorgung, Arbeitsschutz, Datenschutz, Lebensmittelhygiene, Infektionsschutz und vieles mehr. Die Verpflichtung in vielen Bereichen zur Langzeitdokumentation macht trotz zunehmender Digitalisierung noch erhebliche Probleme, weil man dafür geschultes und qualifiziertes Personal benötigt. Und die passenden Leute findet man eben nicht so leicht, wie ehrenamtliche Helfer oder eben Fahrer für die Warenabholung.

 

Finanzbedarf der Tafel und Probleme

Im Frühjahr 2018 hat ein ehemaliges Vorstandsmitglied in einem öffentlich zugänglichen Interview eine Hausnummer genannt, wie hoch denn der jährliche Finanzbedarf unserer Einrichtung ist bzw. in 2017 war. Und mit welchen Problemen wir täglich im Tafelgeschäft zu kämpfen haben. Im Grunde hat sich bei der Gesamtproblematik kaum etwas verändert. Die Zahl der Bedürftigen nimmt immer noch zu, die Betriebsausgaben steigen Jahr für Jahr weiter an. Ein Ende scheint hier vorläufig nicht in Sicht zu sein.

Zur Information hier der komplette Beitrag:
http://queller-gemeinschaft.de/Bericht_Focus_Tafel_am_Limit.pdf

Wie jeder Leser anhand der Zahlen im PDF-Dokument erkennen kann, ist der laufende Betrieb der Bielefelder Tafel als gemeinnütziger Verein mit 160.000 EUR in 2017 schon lange kein Kindergeburtstag mehr. Als neuer Vorstand müssen wir uns genau überlegen, wie denn die Tafel in Bielefeld grundsätzlich zukunftsfähig gemacht werden kann und wie eine dauerhaft gesicherte finanzielle Zukunft für die Einrichtung aussehen könnte. Hier allein ausschließlich auf Spender/Sponsoren/Mitgliedsbeiträge setzen zu wollen, ist allenfalls eine nette Illusion und fernab der heutigen Realität.

Wenn sich eine Gesellschaft bzw. die Allgemeinheit in Deutschland nicht um ihre schwächsten Mitglieder kümmert, wird sich das irgendwann bitter rächen. Stabile politische Verhältnisse waren bisher über Jahrzehnte in Deutschland die Garantie für "Ruhe im Land". Schaut man in manche Bundesländer, darf man sich schon wundern. Die großen Volksparteien erreichen ihre früheren Wähler nicht mehr so, wie vor 20 oder 30 Jahren. Die verdeckte Armut ist noch weitaus größer als man so in der Öffentlichkeit sieht. Manche Bevölkerungsgruppen sind überhaupt nicht auf dem Radar der verantwortlichen Stellen; wir sehen die aber bei uns vor der Tür wenn sie um Essen bitten.

Die Tafeln als eine der größten Organisationen dieser Art in Europa mit mehr als 60.000 Freiwilligen kann man auf Dauer ohne finanzielle Hilfen nicht allein im Regen stehen lassen. Das haben wir bereits schon am Anfang der Corona-Pandemie gesehen, wohin das führt. Viele kleinere Tafeln haben dicht gemacht. Das sind alles auch nur Menschen, die ehrenamtlich helfen wollen. Aber wenn manche kleine Tafel nicht einmal mehr das Geld für Briefmarken, die nächste Stromrechnung oder Tankfüllung für den Transporter hat, so läuft in Deutschland grundsätzlich etwas schief.

Ich als neuer 1. Vorsitzender der Bielefelder Tafel frage immer gerne mal in die Runde:
"Was würde denn wohl passieren, wenn wir hier in Baumheide mangels finanzieller Mittel den Schlüssel umdrehen und alle zusammen nach Hause gehen...". Ja, das will dann auch keiner! Aber irgendwann kommt auch für uns der Punkt, wo man der Realität ins Auge blicken muss. Ohne eine regelmäßige Unterstützung der Allgemeinheit vom Staat, vom Land oder der Stadt läuft das auf Dauer mit der professionellen Lebensmittelverteilung nicht. Die Bereitschaft zur Hilfe in der Bevölkerung ist nach wie vor vorhanden. Die Politik kann sich davon mal eine (dicke) Scheibe abschneiden. Sozialer Zusammenhalt funktioniert, wenn alle vor Ort an einem Strang ziehen.

Auch andere soziale Einrichtungen und Lebensmittelausgaben in Bielefeld dürften die gleichen Probleme haben, nur sind sie nicht so groß wie wir. Auch sie verteilen Lebensmittel und haben mit Sicherheit keine üppige Kapitalausstattung. Lange Zeit hat man das Thema mit der Finanzierung der Lebensmittelausgabestellen und Tafeln praktisch totgeschwiegen, weil es ja irgendwie so ging. Das ist aber in dieser Form kein Dauerzustand mehr!

Ich denke schon heute 5 Jahre weiter und hoffe, die Grundproblematik mit der Finanzierung hat sich bis dahin einigermaßen geklärt. Ansonsten sehe ich nämlich keine Zukunft in der heutigen Organisationsform.

 

Und es kann jeden treffen...

Die Zeiten von sicheren Arbeitsplätzen sind im Zeichen der Globalisierung und Digitalisierung vorbei. Nicht mal die Rente ist offenbar richtig sicher, zumindest nicht für kommende Generationen. Steigende Verbraucherpreise, Mieten und Energiekosten sind auch die Regel geworden. Die Kinderarmut in Deutschland hat Dimensionen erreicht, bei der man sich als normaler Bürger echt schämen muss. In anderen Ländern gelten Kinder häufig als erwünscht und Bereicherung; hier bei uns sind sie ein Kostenfaktor, Karrierebremse und sonst was. Mit 3 oder 4 Kindern unterwegs in der Stadt schauen manche schon ganz komisch. Aber sind nicht Kinder unsere eigene Zukunft? Und zukünftige Steuerzahler, die unseren späteren Wohlstand noch sichern können??

Der soziale Abstieg in unserem Gesellschaftssystem ist leider eng verbunden mit den Faktoren Kinder, Arbeit, Bildungsgrad und Familienstand. Unter Umständen geht das ganz schnell. Krankheit, Unfall, Jobverlust, ein Gehalt weniger, Stress in der Familie, Trennung und Gang zum Arbeitsamt oder Jobcenter. Es folgt oft genug der soziale Absturz. Wohnung wird zu teuer, Auto weg, Versicherung nicht bezahlt, Stromschulden, Mietschulden, Geld für Essen knapp, Geld für Kinder/Schule so gut wie nicht mehr zusammen zu bekommen. Und dann geht alles ganz fix.

Ich kenne selbst Fälle in meinem Umfeld, wo es die typische Mittelschicht getroffen hat und man vorher im Leben nicht über so eine Situation nachdenken wollte. Dann kam Anfang 2020 Corona in Deutschland an, Und es ist doch genau so passiert wie befürchtet, eigentlich nur noch schlimmer.

Ja, es kann inzwischen heute fast jeden von uns treffen. Und dann ist man über Einrichtungen wie die lokale Tafel echt dankbar!

Wir brauchen also die Tafeln in Deutschland. Und dafür wird Unterstützung vom Staat gefordert!